Erziehungsstelle Erfahrungsbericht

Der Erfahrungsbericht von Erziehungsstellenmutter G. führt uns heute durch die verschiedenen Lebenssituationen als Erziehungsstelle – von der ersten Motivation, ein Kind aufzunehmen über die Anbahnungsphase und den Einzug des Kindes bis zu den Herausforderungen und Glücksmomenten im Alltag der Familie. Auch über die Zeit nach der Maßnahme macht die Erziehungsstellenfamilie sich Gedanken. Wie geht es weiter, wenn ein Pflege- oder Erziehungsstellenkind volljährig wird und die Maßnahme beendet wird?

„Ich war noch voll berufstätig. Donnerstags hatte ich meinen letzten Arbeitstag und freitags zog unser Erziehungsstellenkind ein. Also wirklich eine Art Blitzgeburt. Und so hatten wir auf einmal ein Kind zu Hause und haben uns gefragt „Was ist jetzt?“ und „Wie fühlt er sich jetzt hier?“. Es war ja alles fremd für ihn. Stück für Stück haben wir uns so allmählich in den Alltag rein gewurschtelt.“

Vorstellung der Erziehungsstellenfamilie

Erziehungsstellenmutter G.:

Ja, gerne. Wir sind eine Erziehungsstelle gemäß § 33 Satz 2 SGB VIII – also ein Art qualifizierte Pflegefamilie, die von einem Träger begleitet wird. In unserem Haushalt leben unser Erziehungsstellensohn, mein Mann und ich. Wir leben zu dritt hier. Zudem haben wir eine Katze. Dann sind nacheinander noch zwei Hunde und zwei Pferde dazugekommen. Und wir haben noch Hühner im Garten. Wir leben hier quasi wie auf einem kleinen Bauernhof – eine kleine Farm.

Motivation, ein Kind aufzunehmen

Context e.V.:

Können Sie sich noch daran erinnern, warum Sie Erziehungsstelle werden wollten? Was war ihre Motivation, ein Kind aufzunehmen?

Erziehungsstellenmutter G.:

Wir konnten selber keine Kinder bekommen und mein Mann wünschte sich eine Familie. Nachdem wir Kontakt zu mehreren Träger gehabt hatten, haben wir uns für Context e.V. entschieden. Der Kontakt war schnell sehr gut und unsere Ansprechpartnerin hat auch direkt rausgehört, wo die Reise hingeht, und hat dann ziemlich schnell gesagt, ich glaub ich kenne ein Kind, für das ihre Familie gut sein könnte. Und dann ging alles so seinen Gang.

Anbahnungsphase – vom ersten Kennenlernen bis zum Einzug eines Kindes

Context e.V.:

Erinnern Sie sich noch an das erste Kennenlernen und die sogenannte Anbahnungsphase?

Erziehungsstellenmutter G.:

Ja, ruckzuck ging das. Den ersten Kontakt mit unserem Erziehungsstellensohn hatten wir im Kinderheim. Wir hatten damals direkt eine Fachberatung bei den Kontakten dabei. Unser Erziehungsstellensohn war gerade zwei Jahre alt – quasi fast noch ein Baby. Sprache war noch nicht angelegt bei ihm. In dem Bereich war noch nicht viel vorhanden. Zuerst konnten wir ihn besuchen, ihn mal baden und mit ihm spazieren gehen. Dann durfte er zu Besuch zu uns nach Hause kommen. Und dann durften wir schon sein Zimmer zusammen gestalten und nach einigen Wochen kam unser Sohn dann zu uns.

Ich war noch voll berufstätig und habe das mit meinem Chef besprochen, donnerstags hatte ich meinen letzten Tag und freitags zog unser Erziehungsstellenkind ein. Also wirklich eine Art Blitzgeburt. Und dann stand ich da am Wochenende – mit einem Kind. Ich glaube, mein Mann war arbeiten. Und so hatten wir auf einmal ein Kind zu Hause und haben uns gefragt „Was ist jetzt?“ und „Wie fühlt er sich jetzt hier?“. Es war ja alles fremd für ihn. Stück für Stück haben wir uns so allmählich in den Alltag rein gewurschtelt.

Erziehungsstellenfamilie als langfristige Vollzeitpflege für Kinder und Jugendliche

Context .V.:

Wie lange sind sie jetzt schon eine Erziehungsstellenfamilie?

Erziehungsstellenmutter G.:

Das sind jetzt schon 12 Jahre. Im Grunde genommen fühlt es sich an, wie mit einem eigenen Kind. Wir werden aber auch daran erinnert, dass es ein „öffentliches“ Kind ist – zum Beispiel durch die Kontakte zur Fachberatung und zum Träger, durch Hilfeplangespräche mit dem Jugendamt usw.

Ein Pflege- oder Erziehungsstellenkind aufnehmen und das Umfeld

Erziehungsstellenmutter G.:

Für mich war es am Anfang schwer damit umzugehen, dass in unserem näheren Umfeld von Freunden und Familie viele Menschen der Meinung waren, sie dürften miterziehen. Und das, obwohl mein Mann und ich ja beide vom Fach sind und eine pädagogische Ausbildung haben. Ich bin Heilpädagogin und mein Mann ist Erzieher in einem Kinderheim.

Die Begründung der Menschen war häufig, dass man ja selbst Kinder geboren hätte und daher gut Bescheid wisse. Mir wurde auch mal gesagt, dass ich ja gar nicht wüsste, wie das ist und wie sich eine „richtige“ Mutter fühlt. Damit hatte ich nicht gerechnet und musste lernen mich abzugrenzen. Man sollte sich dessen bewusst sein, dass das passieren kann, wenn man sich für ein Pflegekind oder ein Erziehungsstellenkind entscheidet – und sich entsprechend darauf vorbereiten.

Context e.V.:

Glauben Sie, das wäre auch so gewesen, wenn sie ein leibliches Kind geboren hätten?

Erziehungsstellenmutter G.:

Das weiß ich nicht sicher. Ich glaube schon, dass gerade die Omas sich da gerne eingemischt hätten. Aber ich glaube auch, wir hätten uns besser abgrenzen können, da man den Prozess ja ganz anders erlebt und das Kind nicht plötzlich da ist.

Eine Erziehungsstellenfamilie lernt sich kennen

Erziehungsstellenmutter G.:

Ich habe zum Beispiel auch die Situation erlebt, dass mein Vater mit seiner Frau zum ersten Besuch kam und direkt ein Küsschen zur Begrüßung wollte. Da mussten wir dann sofort „Stopp“ sagen: „Das gibt es nicht. Ihr seid Fremde für das Kind.“ Die beiden kamen natürlich direkt ganz wohlwollend als „Oma und Opa“, mit viel Liebe. Daher war es für sie schwierig, zu verstehen, dass das nicht so unvermittelt geht.

Man muss generell immer viel erklären: „Wir können euch nicht viel sagen über das Kind. Wir wissen nicht genau, was er erlebt hat. Und was wir wissen, müssen wir euch nicht unbedingt transportieren. Nehmt das bitte einfach an.“  Mit jedem Tag mussten wir uns ja erstmal selbst kennenlernen und gucken, was geht und wie was geht. Und uns auch mal abgrenzen.

Tipps für Menschen, die ein Kind aufnehmen möchten

Context e.V.:

Welchen Tipp geben Sie zukünftigen Erziehungsstelleneltern oder Menschen, die sich dafür interessieren, ein Kind aufzunehmen?

Erziehungsstellenmutter G.:

Mmh, da habe ich schonmal drüber nachgedacht. Ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich nachzufragen, wie andere das erlebt haben. Auf jeden Fall die Möglichkeit nutzen, mit erfahrenen Erziehungsstellenfamilien in Kontakt zu treten und sich zu informieren. Und für sich klar sein. Es ist gut, wenn man als Eltern, Paar, bzw. Familie an einem Strang zieht.

Ein Pflege-/Erziehungsstellenkind mit Rucksack

Erziehungsstellenmutter G.:

Man sollte wissen, dass es auch anstrengend werden kann, weil man nie weiß, welchen Rucksack ein Pflege- bzw. Erziehungsstellenkind mitbringt. Davon kann man jederzeit überrascht werden. Ob draußen im Park, beim Spielen oder es ist der Geruch von jemandem, der zu Besuch kommt, der das Kind triggert. Man kann immer wieder vor Situationen gestellt werden, mit denen man nicht gerechnet hat. Das Bewusstsein dafür zu schärfen, wäre vielleicht ein Tipp. Obwohl das auch schwierig ist – man geht ja immer wieder frisch in so eine Situation rein.

Erziehungsstelle – Erwartungen versus Alltag

Context e.V.:

Ist das Leben als Erziehungsstellenfamilie so, wie sie sich das vorher vorgestellt hatten?

Erziehungsstellenmutter G.:

Ich hatte vorher eigentlich keine konkrete Vorstellung. Tatsächlich nicht. Ich war offen und hab für mich gedacht, unser Erziehungsstellenkind kann jetzt kommen. Ich habe mich gefreut, Zimmer einrichten, einkaufen usw.

Aber ich wusste nicht, was das eigentlich heißt und was das alles mit sich bringt. Unser Erziehungsstellensohn hatte am Anfang zum Beispiel Besuchskontakte mit seiner leiblichen Familie. Die mussten wir zwar nicht selber begleiten, das hat unsere Fachberatung gemacht, aber du wusstest nie, wie er von dem Kontakt zurückkommt, wie er sich fühlt.

Ich denke, ich war einfach offen für das, was auf uns zukommt. Aber eine richtige Idee hatte ich dazu vorher nicht.

Erfahrung als Erziehungsstellenfamilie

Context e.V.:

Würden Sie den Weg zur Erziehungsstelle nochmal gehen?

Erziehungsstellenmutter G.:

Mit dem Wissen und der Erfahrung von heute und wenn ich ein paar Sachen anders machen würde, ja. So naiv wie damals, nein. Wir wurden von Context e.V. gut betreut, aber ich nehme heute wahr, dass es noch viel mehr Angebote und Hilfen gibt, die man sich noch zusätzlich hätte holen können. Ich glaube, wir haben uns selber damals gar nicht so darum gekümmert. Unser Erziehungsstellensohn war jetzt da und unser Kind und fertig. Wir haben gar nicht weiter geguckt, was es noch für Möglichkeiten gibt. Das würde ich heute anders machen.

Wenn ich aber von heute ausgehe, kann ich mir in meinem jetzigen Alter eher etwas kurzfristiges wie Bereitschaftspflege vorstellen. Als Langzeitpflege eher nicht. Man weiß ja vorher nie, was noch passiert. Was passiert in der Pubertät? Was kommt beim Kind wieder hoch? Da muss man sich schon darüber im Klaren sein, dass die nächsten Jahre ganz viel Arbeit sein können und auch viel auf der Strecke bleibt.

Erziehungsstelle und öffentliche Kinder

Context e.V.:

Glauben Sie, dass das mit leiblichen Kindern anders wäre?

Erziehungsstellenmutter G.:

Ich höre natürlich auch, was bei Freunden und Bekannten so passiert. Es gib auch bei ihnen Kinder, die mit Schwierigkeiten zur Welt gekommen sind oder die im Laufe ihres Lebens Schwierigkeiten entwickeln. Ich glaube, es ist aber schon ein bisschen anders als Erziehungsstellenfamilie, weil bei ihnen nicht so viele Menschen und Meinungen mitmischen. Als Erziehungsstelleneltern müssen wir immer bereit sein, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und Kompromisse einzugehen.

Schöne Momente als Erziehungsstellenfamilie

Context e.V.:

Was war ihr schönster Moment als Erziehungsstellenfamilie bzw. als Erziehungsstellenmutter?

Erziehungsstellenmutter G.:

Der Schönste? Eigentlich gibt es viele schöne Momente. Zu sehen, wie unser Sohn sich entwickelt. Wie er sich trotz seiner Dickköpfigkeit doch immer wieder auf Sachen einlässt. Zu sehen, dass er trotz seiner Schwierigkeiten doch vieles annehmen kann. Schön ist es auch zu sehen, dass egal wie schwer der Alltag ist, wir ein tolles Kind haben. Es gibt keinen einen schönen Moment. Es gibt viele schöne Momente. Und die lassen uns jeden Tag weiter machen.

Es ist auch schön, wenn die Lehrer berichten, dass es in der Schule gut läuft und unser Erziehungsstellensohn gut mitkommt und immer gut gelaunt ist. Dann denke ich okay, wir haben etwas richtig gemacht.

Herausforderungen im Familienalltag

Context e.V.:

Was sind ihre größte Herausforderungen als Erziehungsstellenfamilie?

Erziehungsstellenmutter G.:

Das ich wenig Zeit für mich habe, ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Mein Mann arbeitet viel und wir haben immer gesagt, dass unser Kind möglichst viel bei uns am Familienleben teilhaben soll. Wir haben unseren Erziehungsstellensohn auch direkt zu Großveranstaltungen, zu Familienfeiern usw. mitgenommen. Wir wollten nicht, dass er viel fremdbetreut wird – auch nicht in einer Ganztagsbetreuung im Kindergarten usw. Wir wollten einfach, dass er dadurch gut bei uns ankommt.

Nachdem unser Erziehungsstellensohn ein Jahr bei uns war, ist er in den Kindergarten gekommen. Ich habe ihn um 9.00 Uhr hingebracht und um 12.00 Uhr wieder abgeholt. Eine länger Betreuung wollten wir nicht. Da hatte ich dann nicht viel Zeit für andere Dinge. Dazu kommen die Termine, die wir mit ihm hatten und haben. Das muss dann alles irgendwie laufen. Und jetzt kommt noch die Pubertät dazu.

Es ist schön, wenn sich dann doch mal ein bisschen Leichtigkeit einstellt, auch wenn das gerade eher selten ist. Also wenn man sehr auf sich bezogen ist und seine Freiheiten liebt, dann sollte man besser kein Kind aufnehmen. Aber wahrscheinlich gilt das aber auch für leibliche Kinder.

Tiere im Familienalltag

Erziehungsstellenmutter G.:

Mit Kind versucht man das Leben irgendwie anders zu gestalten – vielleicht mit Haus und mit Tieren. Wir hatten die Idee, dass die Tiere unserem Erziehungsstellensohn guttun. Dass sie ein bisschen therapeutisch wirken. Aber das ist mal so, mal so. Manchmal kommt er nach Hause und freut sich und knuddelt alle Tiere und manchmal ist er sehr eifersüchtig auf sie.

Wenn ein Pflege- oder Erziehungsstellenkind volljährig wird

Context e.V.:

Haben sie schon für sich eine Vorstellung davon, was werden wird, wenn ihr Sohn volljährig ist? Die Hilfe zur Erziehung (Pflegefamilie/Erziehungsstellenfamilie) hört dann ja in der Regel auf.

Erziehungsstellenmutter G.:

Ja, genau, da unterhalten mein Mann und ich uns oft drüber. Unser Sohn bleibt natürlich bei uns, wenn er bleiben möchte. Aber wir möchten ihm natürlich nichts verwehren.

Ich glaub nicht, dass er irgendwann ganz allein lebt. Aber es gibt ja Wohnformen für Gleichaltrige. Wenn er so etwas möchte, dann soll er es auch machen. Und wenn er erstmal noch Zeit bei uns zu Hause braucht, dann bekommt er die auch. Das macht man ja mit leiblichen Kindern auch so. Ich selbst bin damals auch erst spät ausgezogen. Man ist ja in seiner Entwicklung mit 18 Jahren nicht fertig.

Nürlich müssen wir jetzt gerade in der Pubertät, wie alle Familien, nochmal neu gucken und unser Zusammenleben verhandeln. Gerade ist es ein bisschen schwierig und wir sind schon so seine Dienstboten. Wir hoffen, dass die Beteiligung am Familienleben wieder mehr wird. Aber unser Erziehungsstellensohn ist auch nach Beendigung der Maßnahme unser Kind.

Wohnformen für volljährige Kinder mit Behinderung

Erziehungsstellenmutter G.:

Ich bin aber auch der Meinung, dass Kinder mit körperlicher oder geistiger Einschränkung wie unser Erziehungsstellensohn flügge werden müssen. Wenn sie nur mit den alten Eltern zusammen sind, ist das auch nicht gut. Irgendwann sterben die Eltern und dann müssen die Kinder trotzdem in irgendeine Wohnform ziehen. Und dann ist der Schockmoment für die Kinder groß, wenn man sie dabei als Eltern nicht mehr begleiten kann. Von daher bleiben mein Mann und ich dazu immer im Gespräch.

An erster Stelle steht aber immer die Frage, wie sich unser Erziehungsstellensohn entwickelt und was er selbst überhaupt möchte. Das finde ich total wichtig. Am liebsten möchte er für immer hier wohnen bleiben und das Haus übernehmen. Aber wer kann schon sagen, ob er das hier alles mal allein stemmen kann? Ich gehe davon aus, dass unser Erziehungsstellenkind mit seiner seelischen Behinderung immer Unterstützung brauchen wird. Das müssen wir im Blick halten.

Pflegefamilie oder Erziehungsstellenfamilie

Context e.V.:

Sie sind eine Erziehungsstelle. Ein wichtiger Unterschied zur klassischen Pflegefamilie ist die Betreuung durch einen Träger – in ihrem Fall durch Context e.V. Hat ihnen die intensive Begleitung geholfen?

Erziehungsstellenmutter G.:

Auf jeden Fall. Also insofern, dass immer regelmäßige Gesprächskontakte stattgefunden haben und auch noch stattfinden. Unsere Fachberatung unterstützt uns mit Ihrem Wissen aus allen Bereichen – nicht nur theoretisch, sondern auch mit den Erfahrungen, die sie aus anderen Erziehungsstellenfamilien mitbringt, weil sie dort mal ähnliche Situationen erlebt hat, Arztbesuche begleitet hat usw.

Dass man da als Familie nicht alleinsteht, finde ich wichtig. Ein Kind, das aus seiner Herkunftsfamilie herausgenommen wird, bringt immer sein Päckchen mit. Damit stehen wir als Erziehungsstellenfamilie dann nicht allein da. Wir wissen immer, wo wir anrufen können.  Auch wenn wir es nicht tun, wissen wir aber, dass wir die Hilfe in Anspruch nehmen können. Wir hatten auch schon Supervision oder auch verschiedene Fortbildungen zum Beispiel zum Thema Trauma. Ja, wir fühlen uns gut begleitet.

Natürlich habe ich auch schon oft gedacht „jetzt schon wieder ein Termin“ und „ich habe eigentlich gar keine Lust zu erzählen“, und nach dem Termin war ich froh, dass er stattgefunden hat, weil es sich dann doch wieder leichter anfühlte. Der Blick von außen hilft zusätzlich.

Freizeit, Hobbys und Vereine für Pflege- und Erziehungsstellenkinder

Context e.V.:

Danke, dass wir alle unserer Fragen stellen durften. Haben Sie noch etwas auf dem Herzen, was wir nicht angesprochen haben und was Interessierte wissen sollten, die ein Kind aufnehmen möchten?

Erziehungsstellenmutter G.:

Was ich jetzt noch nicht erwähnt habe, sind Freizeitangebote. Das finde ich sehr wichtig fürs Kind, egal welches Kind. Context e.V. bietet als Träger viel für Erziehungsstellenkinder an, aber man sollte auch selber den Weg gehen und sein Kind in verschiedene Vereine integrieren und das dann auch begleiten. Wie im „normalen“ Leben eben auch.

Mehr Hausputz, mehr Lärm, mehr Wäsche, mehr Kinderlachen, mehr Liebe, mehr Leben

Erziehungsstellenmutter G.:

Ich denke oft an die Anzeige, auf die wir uns beworben haben. Da stand, ob man mehr Lärm, mehr Wäsche, mehr Hausputz, mehr Kinderlachen usw. haben möchte. Das hat mich damals sehr angesprochen und ich denke da immer wieder drüber nach. Es ist tatsächlich so – alles wird mehr. Also bleibt auch immer mal was liegen. Es ist aber auch irgendwann egal, wenn was liegen bleibt. Weil es schön ist, wenn jetzt gleich unser Erziehungsstellensohn reinkommt und sagt, dass er Hunger hat und fragt, was es zu essen gibt. Dass er weiß, wo er hingehört und dass er hier ein Zuhause hat – auch wenn er mal mit seiner Vergangenheit hadert.

Context e.V.:

Vielen Dank für die offenen Worte und dass wir heute hier sein durften.

 

Den Erfahrungsbericht einer weiteren Erziehungsstellenmutter finden Sie hier: Erfahrungsbericht Erziehungsstellennmutter

Hier finden Sie ein Interview, in dem eine Erziehungsstellenfamilie aus ihrem Alltag berichtet: Erziehungsstelle Erfahrungen

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