Für diesen Beitrag haben wir mit einer ehemaligen Erziehungsstellenmutter gesprochen. Im Mittelpunkt des Interviews standen ihre persönlichen Erfahrungen mit ätherischen Ölen im Familienalltag. Bereits nach den ersten Minuten wurde jedoch deutlich, dass es dabei um weit mehr geht als um Düfte oder einzelne Anwendungen. Das Gespräch erzählt von den Herausforderungen des Lebens als Erziehungsstellenfamilie, von Überförderung, Hoffnung, Beziehung und der Bedeutung kleiner Rituale, die Kindern Sicherheit und Orientierung geben können. In diesem Artikel fassen wir die zentralen Gedanken des Interviews zusammen und zeigen auf, welche Impulse sich daraus für die Begleitung von Erziehungsstellenkindern und die Arbeit mit Erziehungsstellenfamilien ableiten lassen.
Hinweis der Redaktion:
Die nachfolgenden Erfahrungen beruhen auf persönlichen Erlebnissen einer ehemaligen Erziehungsstellenmutter Anna Haxhijaj. Die Inhalte stellen keine medizinische Empfehlung dar.
Wer Kinder begleitet, die bereits in ihrem jungen Leben belastende Erfahrungen machen mussten, weiß, dass der Alltag manchmal an die eigenen Grenzen führen kann. Manche Situationen lassen sich mit pädagogischem Wissen, Geduld und Empathie gut begleiten. Andere Momente hinterlassen das Gefühl, das Kind trotz aller Bemühungen nicht mehr erreichen zu können.
Auch Anna Haxhijaj beschreibt rückblickend eine Zeit, in der genau dieses Gefühl ihren Familienalltag prägte. Neben ihren eigenen Kindern lebte ein Erziehungsstellenkind in der Familie, dessen Nervensystem durch seine bisherigen Erfahrungen dauerhaft unter hoher Anspannung stand. Intensive „Meltdowns“, körperliche Angriffe und Handlungen, die in eigene Verletzungen beim Kind hervorbrachten, gehörten zeitweise zum Alltag. Rückblickend fasst sie die Zeit mit bemerkenswerter Ehrlichkeit zusammen:
„Ich hatte keine Handhabe, ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte.“
Diese Aussage beschreibt weniger Resignation als vielmehr eine Hilflosigkeit, die viele Familien in besonders belastenden Phasen kennen. Unterschiedliche Unterstützungsangebote waren bereits ausprobiert worden. Im Hilfeplangespräch wurden Ideen gesammelt, Fachkräfte eingebunden und verschiedene Strategien besprochen. Dennoch blieb in akuten Situationen häufig das Gefühl zurück, keine Möglichkeit mehr zu haben, das Kind wirklich zu erreichen.
Besonders belastend sei für sie gewesen, dass sie ihr Erziehungsstellenkind während eines „Meltdowns“, wie Anna Haxhijaj Situationen der vollständigen Gefühlsentladung ihres Erziehungsstellenkindes beschreibt, kaum noch zu regulieren wusste. Sie beschreibt hierbei Situationen, in denen das Kind vollständig in seinen Gefühlen gefangen gewesen sei. Schlagen, Treten, Schreien und selbstverletzendes Verhalten hätten kaum noch Raum für Sprache oder Beziehung gelassen.
Gleichzeitig begann auch sie selbst, zunehmend unter der dauerhaften Anspannung zu leiden. Der Alltag bestand aus permanenter Aufmerksamkeit, spontanen Krisen und der Verantwortung für mehrere Kinder. Rückzugsorte gab es kaum noch.
Als sie schließlich über eine Freundin erstmals mit ätherischen Ölen in Berührung kam, begegnete sie dem Thema zunächst mit großer Skepsis.
„Ich war sehr, sehr skeptisch und habe gedacht: Eigentlich kann uns hier niemand mehr helfen.“
Umso bemerkenswerter ist es, dass ihre ersten Erfahrungen gar nicht dem Erziehungsstellenkind galten.
„Ich habe das zum Beispiel für mich begonnen, damit ich entspannter bin und mehr am Tag präsent sein kann für die Kinder hier.“
Dieser Satz zieht sich rückblickend wie ein roter Faden durch das gesamte Interview. Nicht eine Lösung zum Umgang mit dem Kind stand am Anfang, sondern die Erkenntnis, dass sie selbst wieder Kraft brauchte.
Je länger das Gespräch dauert, desto deutlicher wird, dass Anna Haxhijaj die ätherischen Öle nie als Wundermittel verstanden hat. Vielmehr beschreibt sie sie als festen Bestandteil eines liebevoll gestalteten Familienalltags.
Mit der Zeit entwickelten sich daraus Rituale, die Orientierung und Verlässlichkeit schufen. Die Kinder der Familie hatten eigene Öle, die jederzeit frei zugänglich waren und niemals weggenommen wurden.
„Sie hatte ihre eigenen Öle. Das war mir immer wichtig. Egal, wie das hier zu Hause ist – es darf niemals weggenommen werden.“
Beim Lesen des Interviews entsteht der Eindruck, dass es an vielen Stellen weniger um die Öle selbst, als vielmehr um das Gefühl von Selbstbestimmung ging. Das Kind wusste, dass es etwas Eigenes hatte, worauf es jederzeit zurückgreifen konnte. Gleichzeitig gab es aber auch Öle, die bewusst nur in besonders belastenden Situationen eingesetzt wurden und außerhalb des Kinderzimmers aufbewahrt wurden.
Auch im Alltag entwickelten sich feste Abläufe. Morgens, wenn der Start in den Tag schwerfiel, wurden die Füße mit einem verdünnten Öl eingerieben. Anna Haxhijaj berichtet, dass ihre Erziehungsstellentochter diese Anwendung später häufig selbst übernahm. Nach der Schule wurden die Öle oft bereits im Auto aufgetragen, um den Übergang vom anstrengenden Schulalltag zurück ins Familienleben zu erleichtern. Teilweise unterstützte sogar die Integrationshilfe in der Schule dabei, die vereinbarten Rituale fortzuführen.
Am Abend gehörten ein Diffuser und gezielte Massagen zum festen Ablauf. Dabei beschreibt Anna Haxhijaj, dass sie nicht nur den Duft, sondern vor allem die Berührungen als wichtigen Bestandteil dieser gemeinsamen Zeit erlebt habe.
„Dadurch konnte ich auch wieder die Beziehung stärken, immer wieder, weil das ja über Berührung geht.“
Allein diese Aussage macht deutlich, dass sich hinter den beschriebenen Anwendungen weit mehr verbarg als das bloße Auftragen eines Duftöls. Es entstanden kleine Momente bewusster Verbindung. Momente, in denen weder das herausfordernde Verhalten noch der nächste Konflikt im Mittelpunkt standen, sondern ausschließlich die gemeinsame Beziehung.
Ein weiterer Gedanke zieht sich durch das Interview und verdient besondere Aufmerksamkeit. Anna Haxhijaj beschreibt immer wieder Situationen, in denen ihr Erziehungsstellenkind von ihren Gefühlen vollständig überwältigt war. In diesen Momenten war es kaum möglich, über das Erlebte zu sprechen oder gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das Kind befand sich in einem Zustand hoher innerer Anspannung, in dem Sprache kaum noch erreichbar schien.
Die Rituale rund um die ätherischen Öle erlebte sie in solchen Situationen als unterstützenden Baustein. Dabei ging es nie darum, schwierige Gefühle zu unterdrücken oder Verhalten möglichst schnell zu verändern. Vielmehr sollten zunächst Ruhe und Sicherheit entstehen – eine Grundlage dafür, dass Beziehung überhaupt wieder möglich werden konnte.
Auf die Frage, was sich dadurch verändert habe, antwortet sie:
„Die Kinder finden dadurch langsam wieder Worte für das, was sie fühlen.“
Bleiben wir für einen Moment bei dieser Aussage, so stellen wir fest, dass unabhängig davon, welche Rolle die ätherischen Öle dabei tatsächlich spielen, Anna Haxhijaj hier einen pädagogisch bedeutsamen Prozess beschreibt: Kinder brauchen häufig zunächst Unterstützung dabei, ihre innere Anspannung zu regulieren, bevor sie Gefühle benennen oder über belastende Situationen sprechen können.
Das Interview erinnert damit an einen wichtigen Grundsatz der Traumapädagogik: Beziehung und Co-Regulation gehen häufig der Reflexion voraus. Erst wenn ein Kind sich wieder sicher fühlt, können Sprache, Lernen und gemeinsames Agieren wieder gelingen.
Interessant ist dabei auch, dass Anna Haxhijaj die Anwendungen nie isoliert betrachtet. Immer wieder beschreibt sie das Zusammenspiel verschiedener Elemente: die Berührung beim Einreiben der Füße, welche die meisten Nervenbahnen aufweisen, die ruhige Atmosphäre, den vertrauten Duft, die gemeinsame Zeit und das Gefühl, nicht allein zu sein. All diese Erfahrungen wurden über einen längeren Zeitraum durch den Einsatz der Öle zu festen Bestandteilen des Familienalltags.
Besonders eindrücklich beschreibt sie in diesem Zusammenhang den sogenannten „Familienduft“. Einen Duft, der im Laufe der Zeit von allen Familienmitgliedern mit Ruhe, Geborgenheit und Zusammengehörigkeit verbunden wurde. Wurde ein solcher Duft beispielsweise in der Schule aufgetragen, wurde über den Geruchssinn Verbindung geschaffen, obwohl man räumlich getrennt war.
Auch hier wird deutlich: Im Mittelpunkt stand nicht nur das Öl selbst, sondern auch die Bedeutung, die ihm innerhalb der Familie gegeben wurde.
Ein sehr bewegender Teil des Interviews entsteht überraschenderweise nicht, als Anna Haxhijaj über ihr Erziehungsstellenkind spricht, sondern als das Gespräch auf sie selbst gelenkt wird.
Über mehrere Jahre hatte sich ihr gesamter Alltag um die Bedürfnisse der Kinder gedreht. Sie beschreibt, dass spontane Unternehmungen kaum noch möglich gewesen seien, Einkäufe geplant werden mussten und Treffen mit Freunden immer seltener wurden. Rückblickend beschreibt sie einen Prozess, in welchem sie sich dabei zunehmend aus den Augen verloren habe.
Im Gespräch entsteht schließlich der Gedanke, der Anna Haxhijaj selbst einen Moment innehalten lässt. Gemeinsam sprechen wir darüber, dass nicht nur das Kind über lange Zeit in einem Zustand dauerhafter Alarmbereitschaft gelebt hatte, sondern auch sie selbst. Sie beginnt darüber nachzudenken, dass beide über Jahre in einer ähnlichen Anspannung gelebt haben. Das Erziehungsstellenkind aus ihrer Lebensgeschichte heraus. Sie als Erziehungsstellenmutter, die rund um die Uhr versuchte, Sicherheit zu geben, Krisen zu begleiten und jederzeit handlungsfähig zu bleiben.
„Wenn Sie das so sagen, ist das eigentlich auch total schön zu hören. Wir waren uns eigentlich in dieser Zeit sehr, sehr ähnlich und das hat uns auch verbunden.“
Es ist einer jener Momente, die sich in einem Interview nicht planen lassen. Anna Haxhijaj beginnt ihre eigenen Erfahrungen aus einer neuen Perspektiven zu betrachten. Plötzlich wird deutlich, dass auch sie selbst über Jahre hinweg Regulation gebraucht hätte und dass über das den geteilten Wunsch nach Co-Regulation eine Idee von „ich kann mir vorstellen, wie du dich gerade fühlen musst“ entsteht. Rückblickend beschreibt sie, wie wichtig es für sie gewesen sei, zunächst wieder selbst zur Ruhe zu finden.

„Ich wollte wieder entspannter sein und tagsüber mehr präsent für die Kinder sein können.“
Diese Aussage führt zu einer zentralen Botschaft des Gesprächs. Kinder profitieren von Erwachsenen, die ihnen Sicherheit vermitteln können. Dies gelingt gleichzeitig nur dann dauerhaft, wenn auch die Erwachsenen ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und Möglichkeiten finden, Kraft zu schöpfen. Dies kann, wie es am Beispiel von Anna Haxhijaj deutlich wird, auch durch die Unterstützung von ätherischen Ölen, gelingen.
Besonders eindrucksvoll schildert Anna Haxhijaj dies am Beispiel eines Hilfeplangesprächs. Früher hätten solche Termine sie emotional stark herausgefordert. Sie berichtet, häufig geweint zu haben oder das Gefühl gehabt zu haben, den vielen Anforderungen nicht gerecht werden zu können. Vor einem späteren Hilfeplangespräch entschied sie sich dann bewusst dafür, zu Beginn die Öle bei sich anzuwenden. Rückblickend beschreibt sie den Termin als einen Wendepunkt. Sie habe ruhig bleiben, klar denken und Entscheidungen treffen können. Für sie war das ein prägendes Erlebnis. Oder, wie es im Interview zusammengefasst wird: „Starke Mama – starke Kinder“
Dieser Satz mag zunächst einfach klingen. Tatsächlich bringt er jedoch einen wichtigen Gedanken auf den Punkt: Selbstfürsorge ist kein Zeichen von Egoismus. Sie ist vielmehr eine Voraussetzung dafür, Kinder langfristig verlässlich begleiten zu können.
So positiv Anna Haxhijaj auf ihre Erfahrungen zurückblickt, spricht sie im Interview ebenso offen über deren Grenzen. Mehrfach betont sie, dass ätherische Öle für sie nie eine Wunderlösung gewesen seien. Vielmehr beschreibt sie sie als einen von vielen Bausteinen, die ihre Familie im Alltag geholfen haben.
„Es ist kein Donnerschlag, aber es ist eine sehr gute Unterstützung“
Dies macht deutlich, wie differenziert sie ihre Erfahrungen betrachtet. Die Herausforderungen des Familienalltags verschwanden nicht von heute auf morgen. Auch mit festen Ritualen gab es weiterhin schwierige Situationen, intensive Gefühlsausbrüche und Tage, an denen nichts zu funktionieren schien. Insgesamt verloren die Situationen aber an schwere.
Ebenso weist sie darauf hin, dass ätherische Öle verantwortungsvoll eingesetzt werden sollten. Dazu gehöre es sich, im Vorfeld über eine altersgerechte Anwendung zu informieren, mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten zu berücksichtigen, möglichst reine Öle zu verwenden und Öle gegebenenfalls entsprechend mit Wasser zu verdünnen. Neben dem Auftragen auf der Haut wie beispielwiese unter den Füßen oder durch den Einsatz durch einen Diffuser, kann auch eine innere Anwendung -wenn überhaupt – bei älteren Kindern oder Erwachsenen und unter Beachtung der jeweiligen Empfehlungen infrage kommen.
Bevor wir dieses Interview abschließen, möchten wir uns herzlich bei Anna Haxhijaj für ihre Offenheit, ihre Zeit und die Bereitschaft bedanken, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen. Dieser Austausch hat uns daran erinnert, dass es häufig nicht die eine große Lösung ist, die den Familienalltag verändert. Oft sind es die kleinen, bewusst gestalteten Momente, die Beziehungen wachsen lassen und Kindern Sicherheit vermitteln. Ob dies durch gemeinsame Rituale, Musik, Bewegung Gespräche oder – wie in der Familie von Anna Haxhijaj – auch durch ätherische Öle geschieht, ist individuell verschieden. Entscheidend ist, dass Familien ihren eigenen Weg finden dürfen und dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten im Blick behalten. Vielleicht liegt genau darin, neben der Vorstellung und Aufzeigen der Möglichkeiten des Einsatzes von ätherischen Ölen, die wichtigste Botschaft dieses Gesprächs
Schon bald möchten wir einen Themenabend zur beruhigenden Wirkung ätherischer Öle im Familienalltag anbieten. Alle Informationen erhalten Sie rechtzeitig mit Ihrer persönlichen Einladung.
01. Juli 2026
28. Mai 2026
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