Die Sommerferien haben ihr Ende gefunden und allmählich nehmen die Kinder und Familien ihren (neuen) Alltag nach dem Schulstart auf. In den Sommerferien haben wieder zahlreiche Kinder von Context e.V. an unserer Ferienfreizeit, der ConTour, teilgenommen. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen, was diese fünf Tage für alle Beteiligten eigentlich besonders macht.
Was passiert eigentlich auf einer ConTour? Wie fühlt es sich an, mehrere Tage ohne die eigene Familie unterwegs zu sein? Was ist, wenn Heimweh aufkommt oder ein Streit entsteht? Das folgende Interview ist fiktiv, greift aber Erfahrungen und Situationen auf, die Kinder, Erziehungsstellenfamilien und Mitarbeitende von Context e.V. auf unseren Ferienfreizeiten immer wieder erleben.
Die Kinderstimmen am Ende des Beitrags stammen dagegen tatsächlich von Teilnehmer:innen unserer letzten ConTour.
Kind: Was ist denn eigentlich eine ConTour?
Betreuer:in: Stell dir vor, du bist von Montag bis Freitag gemeinsam mit anderen Kindern und Betreuer:innen von Context unterwegs. Wir verbringen mehrere Tage miteinander, schlafen in einer Jugendherberge, essen gemeinsam, machen Ausflüge, spielen und erleben jede Menge neuer Dinge.
Kind: Also so eine Art Urlaub?
Betreuer:in: Irgendwie schon, aber eben als Gruppe und nicht gemeinsam mit der eigenen Familie. Natürlich wollen wir vor allem eine richtig schöne Zeit miteinander haben. Gleichzeitig entstehen in diesen Tagen viele besondere Momente: Ihr könnt Neues ausprobieren, andere Kinder kennenlernen, euch gegenseitig unterstützen und vielleicht auch Seiten auch euch entdecken, von denen ihr vorher noch gar nicht wusstet.
Kind: Fahren wir dafür ganz weit weg?
Betreuer:in: Nein. Uns ist wichtig, dass ihr euch sicher fühlen könnt. Deshalb achten wir darauf, dass unser Ziel nicht zu weit entfernt liegt. Falls du zum Beispiel Heimweh bekommst, dich etwas sehr beschäftigt oder tatsächlich einmal deine Familie gebraucht wird, soll sie nicht irgendwo am anderen Ende des Landes sein.
Kind: Aber Abenteuer gibt es trotzdem?
Betreuer:in: Auf jeden Fall! Dafür müssen wir gar nicht möglichst weit wegfahren. Vor Ort planen wir verschiedene Ausflüge, entdecken Neues und nutzen natürlich auch die Möglichkeiten rund um unsere Unterkunft. Mal wird es actionreich, mal kreativ und manchmal ist vielleicht gerade ein gemeinsamer Abend das, woran man sich später besonders gerne erinnert. Was wir im Voraus alles spannendes planen und wohin unsere nächsten Reisen gehen, bleibt an dieser Stelle allerdings ein kleines ConTour-Geheimnis.
Kind: Und wie sieht so ein Tag aus?
Betreuer:in: Wir starten gemeinsam in den Tag, frühstücken und besprechen, was an diesem Tag geplant ist. Danach kann zum Beispiel bereits ein Ausflug beginnen. Natürlich planen wir nicht jede Minute durch; Pausen und freie Zeiten gehören genauso dazu. Abends kommen wir wieder zusammen, essen gemeinsam und lassen den Tag ausklingen.
Kind: Es heißt immer, dass wir auf der ConTour viel erleben. Was hat den Kindern denn in den letzten Jahren besonders viel Spaß gemacht?
Betreuer:in: Da kommt einiges zusammen und oft sind es ganz unterschiedliche Dinge. Das kann beispielsweise ein gemeinsamer Tag im Freibad sein. Dort gab es viel Freiheit für das eigene Spiel und natürlich auch zum Schwimmen; immer daran orientiert, was sich die einzelnen Kinder bereits zutrauen.
Wer Lust hatte, konnte gemeinsam mit uns neue Beckengrößen oder Wassertiefen erkundigen, die Wasserrutsche ausprobieren oder sich vielleicht sogar zum ersten Mal vom Sprungturm trauen.
Auch Erlebnisse in der Natur bleiben vielen Kindern besonders in Erinnerung. Bei einer ConTour waren wir gemeinsam mit Keschern unterwegs und haben Flusskrebse gefangen. An anderer Stelle wurde der umliegende Wald schnell zum eigenen Abenteuerspielplatz: Stöcke wurden gesammelt, Verstecke gebaut und aus dem, was die Umgebung hergab, entstanden ganz eigene Spielideen.

Kind: Und gab es auch richtig coole Orte die man besucht hat?
Betreuer:in: Auf jeden Fall. Eine unserer Jugendherbergen befand sich sogar in einer Ritterburg. Allein dort zu übernachten war für viele Kinder schon ein Erlebnis für sich. Auch Ausflüge in Freizeitparks gehören zu den Erinnerungen, von denen später noch lange erzählt wird. Je nach Alter und wie selbstständig die Kinder sind, dürfen sie dort auch einmal in kleinen Gruppen eigenständig unterwegs sein. Gleichzeitig sind wir natürlich immer in der Nähe und wenn auf einer Achterbahn noch ein Platz neben einem Kind frei ist, lassen wir Erwachsene uns durchaus überreden, mit einzusteigen.
Manchmal entstehen dabei auch diese besonderen Momente, in denen ein Kind zunächst noch zögert und sich schließlich doch auf eine größere oder schnellere Attraktion traut. Dann geht es gar nicht nur um die Achterbahn selbst, sondern vor allem um die Freude danach: „Ich hab’s mich getraut!“
Kind: Gibt es auch Dinge, die ungeplant ablaufen?
Betreuer:in: Die gibt es und manchmal werden gerade die ungeplanten Momente zu einer der schönsten Erinnerungen. In den vergangenen Jahren konnten Kinder auf der ConTour zum Beispiel gemeinsam eine Sonnenfinsternis oder einen Blutmond erleben. Solche Momente stehen natürlich in keinem Freizeitprogramm, aber genau das gehört auch dazu: gemeinsam unterwegs zu sein und manchmal etwas zu entdecken, das sich vorher niemand hätte ausdenken können.
Kind: Und wie ist das für euch Erwachsene? Habt ihr auch Spaß dabei?
Betreuer:in: Und wie! Natürlich tragen wir für euch die Verantwortung und haben immer im Blick, wie es euch geht. Aber wir spielen, lachen, unternehmen die Ausflüge und erleben die Tage gemeinsam mit euch. Und meistens sind wir am Freitag genauso müde wie ihr.
Kind: Kennen die Betreuer:innen uns eigentlich schon vorher?
Betreuer:in: Ja! Vor der ConTour gibt es ein gemeinsames Vortreffen, bei dem wir uns kennenlernen können.
Außerdem tauschen wir uns untereinander mit den Familien und den Fachberater:innen darüber aus, was für euch wichtig ist. Manche Betreuer:innen kennt ihr vielleicht bereits aus der Fachberatung für eure Familien oder aus anderen Freizeitangeboten von Context e.V. Trotzdem erleben wir euch während der Freizeit noch einmal in ganz anderen Situationen als sonst: beim Frühstück, bei der Vorbereitung für einen anstehenden Ausflug, beim Spielen, wenn jemand Unterstützung braucht oder auch dann, wenn es in der Gruppe einmal schwierig wird.
Kind: Also beobachtet ihr uns die ganze Zeit?
Betreuer:in: Nein und darum geht es uns überhaupt nicht. Wir verbringen einfach mehrere Tage gemeinsam und lernen uns dadurch automatisch besser kennen. Dabei entdecken wir oft neue Interessen und Stärken, erleben, was euch besonders viel Freude macht und bekommen manchmal auch ein besseres Gefühl dafür, wobei ihr Unterstützung gebrauchen könnt. Diese Erfahrungen können auch nach der ConTour ganz wertvoll sein.
Kind: Muss ich denn immer mit allen anderen klarkommen?
Betreuer:in: Nein. Das wäre auch gar nicht realistisch. In einer Gruppe gibt es manchmal unterschiedliche Meinungen, Bedürfnisse und manchmal auch kleine Streitigkeiten. Das gehört zu einer Gruppe dazu. Wichtig ist, wie wir anschließend damit umgehen. Wir möchten euch dabei begleiten, Lösungen zu finden, miteinander ins Gespräch zu kommen und Rücksicht aufeinander zu nehmen.
Kind: Und was ist, wenn es mir mal zu viel wird oder es richtig Streit gibt?
Betreuer:in: Dann schauen wir gemeinsam, was gerade passiert ist und was du brauchst. Natürlich gibt es auch bei uns, wie auch bei jeder Familie Zuhause, Regeln und Grenzen. Ein schwieriger Moment bedeutet nicht automatisch, dass du deinen Koffer packen und nach Hause fahren musst. Gerade dann möchten wir gemeinsam mit dir nach einer geeigneten Lösung suchen.
Kind: Wirklich? Auch wenn ich mal richtig sauer werde?
Betreuer:in: Auch dann. Auf einer Ferienfreizeit kann vieles zusammenkommen: neue Menschen, eine ungewohnte Umgebung, viele Eindrücke und mehrere Tage außerhalb des vertrauten Zuhauses. Da kann es auch einmal schwierig werden. Uns ist wichtig, dass du weißt: Du wirst auch in solchen Momenten begleitet.
Kind: Das klingt irgendwie beruhigend.
Betreur:in: Genau das soll es auch sein. Die ConTour soll Abenteuer ermöglichen, aber gleichzeitig Sicherheit geben.
Kind: Und wenn ich meine Familie vermisse?
Betreuer:in: Dann musst du damit nicht alleine bleiben. Heimweh ist nichts Ungewöhnliches und auch nichts, wofür man sich schämen muss. Wir schauen gemeinsam mit dir, was gerade helfen könnte. Vielleicht möchtest du was über deine Familie erzählen, brauchst ein bisschen Ablenkung oder es tut gut, kurz mit der Familie zu Hause zu sprechen.
Kind: Und wenn ich mir vier Nächte noch gar nicht zutraue?
Betreuer:in: Auch dann suchen wir gemeinsam nach einer Lösung. Nicht für jedes Kind ist es zum jeweiligen Zeitpunkt passend, direkt mehrere Nächte außerhalb der Familie zu verbringen. Die ConTour soll keine Prüfung sein, die bestanden werden muss. Deshalb kann zum Beispiel gemeinsam mit der bekannten Fachberatung und der Erziehungsstellenfamilie überlegt werden, ob es möglich ist, dass die Fachberatung die ConTour mit begleitet. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass über die weiteren Freizeitangebote schon andere Betreuer:innen und auch Kinder kennengelernt werden können, welche bei der ConTour mit dabei sein werden. Die bekannten Menschen um dich herum können dich in schwierigen Momenten unterstützten und Halt geben.
Entscheidend ist, dass wir danach schauen, was für jedes einzelne Kind gut machbar ist.
Kind: Dann muss ich also nicht unbedingt alles so machen wie die anderen?
Betreuer:in: Genau. Alle Kinder bringen unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Möglichkeiten mit. Deshalb kann auch die passende Begleitung unterschiedlich aussehen.
Kind: Wie viele Betreuer:innen sind denn eigentlich dabei?
Betreuer:in: Unser Betreuungsschlüssel liegt bei 1:2. Das bedeutet: Ein Erwachsener kümmert sich um maximal zwei Kinder.
Kind: Da sind dann ja auch viele Erwachsene dabei!
Betreuer:in: Stimmt! Und das ist auch ganz bewusst so. Dadurch können wir auf jeden Einzelnen eingehen. Wir haben Zeit zuzuhören, können bei Schwierigkeiten unterstützen und natürlich auch gemeinsam mit euch Spaß haben. Gerade auf einer Reise, bei der Kinder viele neue Eindrücke sammeln, ist diese enge Begleitung für uns besonders wichtig.
Kind: Was ist denn dann das Besondere an der ConTour?
Betreuer:in: Wir würde sagen: die Verbindung aus Abenteuer, Gemeinschaft und Sicherheit. Wir möchten, dass ihr Kinder eine richtig schöne Woche erlebt und gleichzeitig die Möglichkeit habt, euch weiterzuentwickeln. Ihr dürft Neues ausprobieren, Freundschaften schließen und eigenen Erfahrungen machen und wisst dabei immer, dass jemand da ist.
Kind: Also geht es auf der ConTour doch um mehr als nur Spaß haben?
Betreuer:in: Spaß ist auf jeden Fall ganz wichtig! Aber während dieser Tage entsteht oft noch etwas ganz anderes. Man erlebt gemeinsam Neues, hilft sich gegenseitig und wächst als Gruppe zusammen. Manche Kinder probieren Dinge aus, die sie sich vorher vielleicht nicht zugetraut hätten. Andere merken, dass sie gut jemanden trösten können, besonders mutig sind oder schnell neue Freundschaften schließen.
Kind: Und am Freitag geht es zurück in meine Familie?
Betreuer:in: Richtig! Der Koffer ist dann wieder gepackt und hoffentlich auch mit einer Menge an schönen Erinnerungen gefüllt.
Vielleicht erinnerst du dich Zuhause beim Auspacken an einen besonders lustigen Ausflug, einen gemeinsamen Abend, eine neue Freundschaft oder eine Situation, in der du gemerkt hast: Ich finde es hier richtig schön! Deine Familie freut sich dann sicherlich auf all deine Geschichten!
Kind: Und ziemlich viel dreckige Wäsche bring ich dann auch mit.
Betreuer:in: Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.
Kind: Dann ist die ConTour also eigentlich mehr als nur fünf Tage Urlaub?
Betreuer:in: Genau. Es sind fünf Tage voller Erlebnisse, Gemeinschaft und neuer Erfahrungen. Und wenn du am Ende nach Hause fährst und deiner Familie berichtest: „Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich das kann“; freuen wir uns sehr für dich.
Kind: Und dann will ich nächstes Jahr wieder mit!
Betreuer:in: Das wäre doch das schönste Ergebnis. Dann hätten wir wohl einiges richtig gemacht.
Wie eine ConTour tatsächlich erlebt wird, können am Ende diejenigen am besten beantworten, die selbst dabei waren. Deshalb möchten wir den Abschluss den Kindern unserer letzten Ferienfreizeit überlassen:
Am Tag vor der Rückfahrt:
„Wie? Wir müssen schon Koffern packen? Wir möchten noch länger bleiben!“ – Z. und S., 8 und 9 Jahre alt.
Betreuerin fragt ein Kind, ob nur seine Freunde seinen Spitznamen benutzen dürfen:
„Aber ihr seid doch meine Freunde!“ – M. 7 Jahre
Auch für die Bewertung der Freizeit braucht es offenbar keine lange Skala:
„Ich würde sagen die ConTour bekommt 5 Sterne!“ – D. 6 Jahre
Und wer nach fünf Tagen bereits über die berufliche Zukunft nachdenkt, hat offenbar ebenfalls einen bleibenden Eindruck mitgenommen:
„Ich will auch später bei Context arbeiten, da hat man Spaß auf der ConTour und bekommt sogar Geld.“ – L. 10 Jahre
04. August 2026
01. Juli 2026
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